Leder lässt sich hervorragend von Hand nähen. Anders als bei Stoff werden die Löcher für die Naht jedoch meist bereits vor dem Nähen vorbereitet. Mit dem richtigen Werkzeug zum Nähen von Leder und etwas Übung entstehen so feste und gleichmäßige Nähte.

Eine der bekanntesten Techniken ist die Sattlernaht. Dabei wird mit einem Faden und zwei Nadeln gearbeitet. Beide Nadeln werden bei jedem Stich von entgegengesetzten Seiten durch dasselbe Loch geführt. Das Ergebnis ist eine charakteristische und besonders haltbare Ledernaht.
In dieser Anleitung zeigen wir, welches Werkzeug Sie benötigen und wie Sie Leder von Hand nähen.
Für eine einfache Handnaht benötigen Sie nur wenige Werkzeuge.
Für die klassische Sattlernaht werden zwei Sattlernadeln verwendet, eine an jedem Ende des Garns. Da die Löcher bereits vorbereitet werden, müssen Sattlernadeln nicht besonders spitz sein.
Als Faden eignet sich gewachstes Garn. Durch die Wachsschicht gleitet es leichter durch die Nahtlöcher und neigt weniger zum Ausfransen oder Verheddern. Ungewachstes Garn kann auch selbst mit Bienenwachs behandelt werden.

Mit einem Prickeisen werden die Positionen der einzelnen Stiche gleichmäßig entlang der Naht markiert oder vorgestochen. Die Zähne sorgen dafür, dass Abstand und Ausrichtung der Stiche über die gesamte Naht gleich bleiben.
Prickeisen gibt es mit unterschiedlichen Zahnabständen. Ein kleiner Abstand ergibt eine feinere Naht, ein größerer Abstand eine gröbere und kräftigere Naht.

Mit einer Stechahle für Leder können markierte Nahtlöcher geöffnet oder vollständig durchgestochen werden. Besonders bei dickerem Leder ist eine Ahle ein praktischer Helfer.
Führen Sie die Ahle möglichst immer im gleichen Winkel durch das Leder. So bleiben die Nahtlöcher auch auf der Rückseite gleichmäßig ausgerichtet.

Ein Rillenschneider, auch Nahtversenker genannt, ist nicht zwingend erforderlich. Mit ihm lässt sich parallel zur Lederkante eine flache Rille schneiden.
Diese kann als Führungslinie für die Naht dienen. Gleichzeitig liegt der Faden etwas tiefer im Leder und ist dadurch besser vor Reibung geschützt.

Ein Stitching Pony hält das Werkstück beim Nähen fest. Dadurch haben Sie beide Hände frei, um die zwei Nadeln zu führen. Für erste Versuche ist es nicht unbedingt notwendig, beim regelmäßigen Nähen von Leder aber eine praktische Hilfe.

Die Sattlernaht gehört zu den klassischen Techniken der Lederverarbeitung. An beiden Enden eines langen Fadens wird eine Nadel befestigt.
Bei jedem Stich werden beide Nadeln durch dasselbe Nahtloch geführt: eine von links und eine von rechts. Dadurch entsteht auf beiden Seiten des Leders eine feste und gleichmäßige Naht.
Schneiden Sie die Lederteile sauber auf Maß. Werden mehrere Lagen miteinander vernäht, können diese vor dem Nähen mit etwas Lederkleber fixiert werden. So können die Lederlagen beim Lochen und Nähen nicht gegeneinander verrutschen.
Bestimmen Sie, wo die Naht verlaufen soll. Eine gerade Nahtlinie kann beispielsweise mit einem Zirkel oder Rillenschneider parallel zur Lederkante angelegt werden.
Setzen Sie das Prickeisen auf die Nahtlinie und schlagen Sie es vorsichtig mit einem geeigneten Hammer in das Leder.
Arbeiten Sie abschnittsweise weiter und setzen Sie einen oder mehrere Zähne jeweils in die letzten vorhandenen Markierungen. So bleibt der Stichabstand gleichmäßig.
Verwenden Sie unter dem Leder eine geeignete Schlagunterlage. Das schützt die Arbeitsfläche und die Spitzen des Werkzeugs.
Bei Bedarf können die Nahtlöcher anschließend mit einer Stechahle oder Nähahle vollständig geöffnet werden.
Schneiden Sie ein ausreichend langes Stück Garn ab. Als grobe Faustregel können Sie mit ungefähr der vierfachen Länge der Naht beginnen. Bei dickem Leder oder großen Stichabständen kann etwas mehr Garn erforderlich sein.
Befestigen Sie an beiden Enden eine Sattlernadel.
Führen Sie eine Nadel durch das erste Nahtloch und ziehen Sie den Faden so weit durch, bis auf beiden Seiten ungefähr die gleiche Fadenlänge vorhanden ist.
Führen Sie die erste Nadel durch das nächste Nahtloch. Anschließend wird die zweite Nadel von der anderen Seite durch dasselbe Loch geführt.
Achten Sie darauf, nicht versehentlich durch den bereits im Loch liegenden Faden zu stechen. Ziehen Sie anschließend beide Fadenenden gleichmäßig an.
Wiederholen Sie diesen Vorgang bei jedem folgenden Nahtloch. Arbeiten Sie immer in derselben Reihenfolge und mit möglichst gleicher Fadenspannung. Dadurch entsteht das typische gleichmäßige Nahtbild.
Am Ende können einige Stiche in umgekehrter Richtung durch die bereits verwendeten Nahtlöcher zurückgenäht werden. Dadurch wird der Faden in der bestehenden Naht fixiert.
Anschließend können die überstehenden Fadenenden kurz abgeschnitten werden. Bei synthetischem Garn können die Enden vorsichtig angeschmolzen werden. Achten Sie dabei darauf, das Leder nicht zu beschädigen.
Den einen richtigen Stichabstand gibt es nicht. Er hängt von der Lederstärke, Garnstärke und dem gewünschten Erscheinungsbild ab.
Feine Lederwaren wie Kartenetuis und Geldbörsen wirken meist schöner mit einem kleineren Stichabstand und dünnerem Garn. Bei kräftigen Taschen und Gürteln darf die Naht gröber sein.
Wichtig ist vor allem, dass Prickeisen, Garnstärke und Lederstärke zueinander passen.
Eine saubere Handnaht erfordert etwas Übung, die Grundtechnik ist jedoch überraschend einfach. Für die ersten Versuche benötigen Sie lediglich Leder, zwei Sattlernadeln, gewachstes Garn und Werkzeug zum gleichmäßigen Vorbereiten der Nahtlöcher.
Üben Sie zunächst auf einem Reststück und konzentrieren Sie sich auf gleichmäßige Stichabstände, gerade Nahtlöcher und eine konstante Fadenspannung.
Nach einigen Übungsnähten wird die Bewegung mit den beiden Nadeln schnell vertrauter. Mit einer sauber ausgeführten Sattlernaht können Sie anschließend Geldbörsen, Etuis, Taschen, Gürtel und viele andere Lederwaren vollständig von Hand nähen.
Eine Nähmaschine ist dafür nicht notwendig, mit einigen einfachen Lederwerkzeugen und etwas Übung entstehen starke und professionell aussehende Nähte.