Leder lässt sich sehr gut von Hand nähen. Eine der bekanntesten und stabilsten Techniken ist die Sattlernaht. Dabei wird mit einem Faden und zwei Nadeln gearbeitet. Beide Nadeln werden abwechselnd durch dieselben Löcher geführt. So entsteht auf beiden Seiten des Leders eine gleichmäßige Naht.

In dieser Anleitung zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie das Leder vorbereiten, die Nahtlöcher anlegen und den Faden an den Nadeln befestigen.
1. Schnittlinie auf dem Leder markieren
Markieren Sie zuerst die gewünschte Schnittlinie auf dem Leder. Eine gerade Linie lässt sich einfach mit einem Schneidelineal mit Sicherheitskante und einem Anreißer-Stift anzeichnen. Die Sicherheitskante des Lineals hilft gleichzeitig dabei, die Finger beim späteren Schneiden vom Messer fernzuhalten.

2. Leder auf Maß schneiden
Schneiden Sie das Leder entlang der angezeichneten Linie auf Maß. Für kleinere Werkstücke und präzise Schnitte eignet sich beispielsweise ein Skalpell mit auswechselbaren Klingen.
Führen Sie das Messer dabei entlang des Schneidelineals.
Versuchen Sie nicht unbedingt, dickes Leder in einem einzigen Schnitt vollständig zu durchtrennen. Mehrere kontrollierte Schnitte ergeben häufig ein saubereres Ergebnis.

3. Position der Nahtlöcher markieren
Bevor die Löcher gestochen werden, markieren Sie deren Position.
In unserem Beispiel verwenden wir eine Markierungshilfe für 3- oder 4-mm-Prickeisen. Damit lassen sich die Abstände der späteren Nahtlöcher gleichmäßig auf das Leder übertragen.
Markieren Sie die einzelnen Punkte anschließend mit einer Stechahle für Leder.
So sehen Sie genau, wo das Prickeisen im nächsten Schritt angesetzt werden muss.

4. Lederteile vorübergehend fixieren
Besteht Ihr Werkstück aus mehreren Lagen Leder, fixieren Sie diese zunächst miteinander.
Dafür eignen sich Klebeklammern für Leder. Die Lederteile können sich dadurch beim Vorbereiten der Naht weniger leicht gegeneinander verschieben.

5. Nahtlöcher mit dem Prickeisen schlagen
Setzen Sie nun das Prickeisen auf die zuvor markierten Punkte und schlagen Sie die Löcher mit einem Punzierhammer durch das Leder. Legen Sie das Leder auf eine geeignete Schlagunterlage. So schützen Sie sowohl die Spitzen des Prickeisens als auch Ihre Arbeitsfläche.
Mit einem Prickeisen-Set mit 1, 2, 4 und 6 Zähnen können sowohl längere gerade Stücke als auch Ecken und kurze Abschnitte bearbeitet werden.
Achten Sie darauf, das Prickeisen möglichst gerade zu halten. Dadurch liegen die Nahtlöcher auf Vorder- und Rückseite gleichmäßig.

6. Nahtlöcher kontrollieren und nachstechen
Kontrollieren Sie anschließend, ob alle Löcher vollständig durch beide Lederschichten gegangen sind.
Falls erforderlich, stechen Sie die einzelnen Löcher noch einmal vorsichtig mit der Stechahle nach.
Das erleichtert später das Durchführen der Nadeln und verhindert, dass Sie während des Nähens jedes Loch erneut suchen oder öffnen müssen.

7. Garn an der ersten Nadel befestigen
Für eine klassische Sattlernaht benötigen Sie zwei Nadeln, die jeweils an einem Ende desselben Fadens befestigt werden.
Wir verwenden dafür Nadeln und gewachstes Garn.
Führen Sie das Garn zunächst durch das Nadelöhr und ziehen Sie einige Zentimeter Faden durch.

8. Nadel durch den Faden stechen
Führen Sie die Nadelspitze durch den Faden.
Schieben Sie den durchstochenen Bereich anschließend in Richtung Nadelöhr. Der Faden wird dadurch gewissermaßen auf der Nadel fixiert.


9. Faden festziehen
Ziehen Sie den Faden nun vorsichtig an.
Der Faden sitzt dadurch fest an der Nadel und kann beim Nähen nicht so leicht aus dem Nadelöhr rutschen.
Wiederholen Sie diesen Vorgang am anderen Ende des Garns mit der zweiten Nadel.
Sie haben jetzt einen Faden mit einer Nadel an jedem Ende.

10. Erste Nadel durch das Leder führen
Beginnen Sie mit dem ersten Nahtloch.
Führen Sie eine der beiden Nadeln vollständig durch das Loch. Ziehen Sie den Faden so weit durch, bis sich auf beiden Seiten des Werkstücks ungefähr gleich viel Garn befindet.

11. Zweite Nadel durch dasselbe Loch führen
Führen Sie anschließend die zweite Nadel von der gegenüberliegenden Seite durch dasselbe Nahtloch zurück.
Ziehen Sie beide Fadenenden gleichmäßig an.
Danach gehen Sie zum nächsten Loch und wiederholen den Vorgang: erst die eine Nadel durch das Leder, anschließend die zweite Nadel von der anderen Seite durch dasselbe Loch.
Auf diese Weise entsteht die typische Sattlernaht.

Warum wird Leder mit zwei Nadeln genäht?
Bei der Sattlernaht wird jeder Stich von beiden Seiten des Leders gebildet. Dadurch entsteht auf Vorder- und Rückseite eine gleichmäßige Naht.
Anders als bei vielen Maschinennähten sind die einzelnen Stiche nicht einfach über einen separaten Unterfaden miteinander verbunden. Das macht die Sattlernaht zu einer beliebten Technik für handgefertigte Lederwaren wie Gürtel, Taschen, Etuis und kleine Lederaccessoires.
Das brauchen Sie zum Nähen von Leder von Hand
Für das Nähen von Leder von Hand benötigen Sie vor allem:
Mit etwas Übung lassen sich damit sehr saubere und gleichmäßige Ledernähte herstellen.